Der indonesische Ausdruck „pasang surut“ – „Ebbe und Flut“ – erinnert an den beständigen Austausch von Menschen, Sub- und Objekten sowie Ideen über die Meere hinweg, die einst Europa und den indonesischen Archipel verbanden. Diese Strömungen prägten die Entstehung kolonialer Sammlungen und ermöglichen zugleich bis heute Zirkulationen: von Wissen, Fragen des Rechts und die Eröffnung von Dialogen.
Vor diesem konzeptionellen Hintergrund findet die Konferenz im Rahmen des Forschungsprojekts „Kolonialzeitliche Sammlungen aus Indonesien in Niedersachsen: Eine deutsch-niederländisch-indonesische Verflechtungsgeschichte“ statt, das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert und vom Museumsverband für Niedersachsen und Bremen e. V. in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen koordiniert wird. Das Projekt untersucht Sammlungen aus der Kolonialzeit, die in acht Museen in Niedersachsen aufbewahrt werden und etwa 1.450 ethnografische Objekte, 300 naturhistorische Exemplare sowie menschliche Überreste umfassen.
Die internationale Konferenz „Pasang Surut“ bringt Wissenschaftler*innen und Sammlungsfachleute sowie wichtige Persönlichkeiten aus den Bereichen Kunst, Kultur und Politik aus Indonesien, Deutschland und den Niederlanden zusammen, um das transformative Potenzial der postkolonialen Provenienzforschung als Beitrag zu Prozessen der Verständigung und Dekolonialisierung zu erörtern. Durch die Förderung des Austauschs zwischen Institutionen und Forschenden aus Indonesien, den Niederlanden und Deutschland möchte „Pasang Surut“ zur Entwicklung eines gemeinsamen Rahmens für postkoloniale Provenienzforschung beitragen, der auf Dialog, Transparenz und langfristiger Partnerschaft basiert.
In einer Zeit, in der Provenienzforschung zum Teil den Anspruch erhebt, ein zentraler Bestandteil der Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe in Deutschland zu sein, wird die Konferenz auch der Frage nachgehen, wie Forschungsmethoden selbst kritisch reflektiert und neu ausgerichtet werden sollten – weg von einer rein prospektiven Herangehensweise hin zu einer kooperativeren und reflexiveren Praxis, die in der Lage ist, die Zukunft von Institutionen und deren verwahrten Sammlungen mitzugestalten.
Zwei zentrale Fragen, die im Rahmen der Konferenz gestellt werden, lauten:
- Innerhalb welcher kolonialen Netzwerke aus Macht, Wissen sowie wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Interessen formierten sich ethnografische, anthropologische und naturkundliche Sammlungen aus Indonesien in Niedersachsen, Deutschland und ganz Europa?
- Wie kann Provenienzforschung diese überlieferten Strukturen hinterfragen und zu einem gemeinsamen pluralistischen Geschichtsverständnis beitragen?
Das Programm finden Sie hier: Programm Pasang Surut (Download PDF, 392 KB)
Die Tagungssprache ist Englisch.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Bitte melden Sie sich bis zum 15. Mai 2026 an unter: annekathrin.krieger@landesmuseum-hannover.de
Weitere Informationen zum Projekt
International conference as part of the research project ‘Colonial‑Era Collections from Indonesia in Lower Saxony: A German–Dutch–Indonesian History of Entanglements’.
The Indonesian phrase pasang surut — “the tide in and out” — evokes the continuous movement of people, objects, and ideas across the seas that once linked Europe and the Indonesian archipelago. These currents shaped the emergence of colonial collections but also suggest the possibility of renewed circulation: of knowledge, accountability, and dialogue.
Against this conceptual background, the conference is organised within the framework of the research project Colonial-Era Collections from Indonesia in Lower Saxony: A German–Dutch–Indonesian Entangled History, funded by the German Lost Art Foundation and coordinated by the Museum Association for Lower Saxony and Bremen e. V., in collaboration with the Network for Provenance Research in Lower Saxony. The project investigates colonial-era collections held in eight museums in Lower Saxony, comprising approximately 1,450 ethnographic objects, 300 natural history specimens, and human remains.
The international conference Pasang Surut shall bring together academic and collection experts, as well as key figures from the fields of art, culture, and politics from Indonesia, Germany, and the Netherlands, to discuss the transformative potential of post-colonial provenance research as a contribution to processes of reconnection and decolonisation. By fostering exchange between institutions and researchers from Indonesia, the Netherlands, and Germany, Pasang Surut seeks to contribute to the development of a shared framework for post-colonial provenance research grounded in dialogue, transparency, and long-term partnership.
At a moment when provenance research has become central to confronting colonial legacies, the conference will also ask how research methods themselves can be critically reflected upon and reoriented — shifting from a purely prospective exercise towards a more collaborative and reflexive practice, capable of informing institutional futures.
The key questions will be:
- How were Indonesian ethnographic and natural collections formed within colonial networks of power, knowledge, and economic and scientific interest?
- How can provenance research challenge these inherited structures and produce shared, plural understandings of history?
Find the final programme here: Programm Pasang Surut (Download PDF, 392 KB)
Participation in the event is free of charge. Please register by May 15th 2026 at annekathrin.krieger@landesmuseum-hannover.de
