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Museumsverband

Musealisierung von Heimatstuben und Heimatsammlungen der Flüchtlinge, Vertriebenen und Aussiedler*innen

Gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) lädt der  Museumsverband für Niedersachsen und Bremen (MVNB) vom 21.-23. September 2022 zur Abschlusstagung des Projektes Herkunft.Heimat.Heute nach Oldenburg ein.

Heimatstuben sind Sammlungs- und Begegnungsstätten mit Bezug zur Lokalgeschichte. Die Heimatsammlungen der Flüchtlinge, Vertriebenen und Aussiedler:innen stellen eine Sonderform der Heimatstube dar, die in der BRD seit den 1950er Jahren entstanden ist. Gefördert durch das Patenschaftswesen westdeutscher Kommunen trugen Flüchtlinge und Vertriebene Erinnerungsgegenstände an ihre Herkunftsregionen oder an eine allgemein konstruierte „ostdeutsche“ Heimat zusammen. In den Heimatsammlungen finden sich sowohl Gegenstände, die bei Flucht und Vertreibung mitgeführt wurden, als auch Objekte, die erst später in die Sammlungen gelangten. Im Zuge des demographischen Wandels nimmt der Anteil jener, die die Heimatstuben aktiv nutzen, stetig ab, während sich auf der anderen Seite die Sammlungen zunehmend durch die Abgabe von Nachlässen vergrößern. Viele Träger:innen können den Betrieb ihrer Heimatstuben nicht mehr aufrechterhalten. Wie kann es gelingen, die kulturhistorisch bedeutsamen Objekte an andere Institutionen zu überführen, um auf diese Weise die Erinnerung der Flüchtlinge, Vertriebenen und Aussiedler:innen in das kollektive Gedächtnis zu überführen? Sind die Heimatsammlungen als Massenphänomen infolge von Flucht und Vertreibung nur ein deutsches Spezifikum oder gibt es Parallelen in anderen Ländern? Ist eine Erinnerung an das Schicksal der deutschen Flüchtlinge, Vertriebenen und Aussiedler:innen nur auf lokaler, regionaler, nationaler oder auch auf transnationaler und europäischer Ebene möglich und wie könnte diese aussehen?

Nachdem es bereits seit 1966 mehrere Erhebungen zu den Patenschaften und Heimatstuben gab, hat sich der Museumsverband für Niedersachsen und Bremen (MVNB) in den 1980er Jahren erstmals des Themas angenommen. Von 2008-2010 erfolgte dann im Rahmen einer bundesweiten Erhebung, die vom Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) initiiert und am Seminar für Europäische Ethnologie der Universität Kiel umgesetzt worden war, eine umfassende Registrierung aller in Deutschland ansässigen Heimatstuben von Flüchtlingen, Vertriebenen und Aussiedler:innen. Ergebnis war neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung eine Datenbank, die vom BKGE angelegt worden ist und seitdem gepflegt wird. 2019 folgte ein von der Niedersächsischen
Landesbeauftragten für Heimatvertriebene, Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler gefördertes Projekt zur Beratung von Stubenbetreuer:innen, aus dem das seit 2020 laufende Projekt „Herkunft.Heimat.Heute. Nachhaltige Sicherung der niedersächsischen Heimatsammlungen aus den historisch ostdeutschen Gebieten“ hervorging, das vom Land Niedersachsen und dem Bund zu gleichen Teilen getragen wird.

Die Tagung zur Musealisierung von Heimatstuben und Heimatsammlungen bildet den Abschluss des dreijährigen Projektes und widmet sich wissenschaftlichen Analysemodellen sowie musealen Konzepten. Drei Panels bieten die Möglichkeit, diese in Vorträgen darzustellen:

  • Panel 1: Integration von Heimatsammlungen und Heimatstuben in lokale und regionale Museen
  • Panel 2: Flucht und Vertreibung im Spiegel thematisch übergeordneter Ausstellungen, Dokumentationszentren etc.
  • Panel 3: Transnationale Kooperationen: Abgabe von Heimatsammlungen in die Herkunftsregionen (Polen, Tschechien etc.) sowie vergleichbare Phänomene der Erinnerungskultur in Europa, etwa der Ostpol:innen.

Diskutiert werden sollen unter anderem die Fragen, mit welchen Herausforderungen Ausstellungsmacher:innen bei dieser Themenstellung konfrontiert werden, wie potentielle Lösungskonzepte aussehen können, wie Flucht und Vertreibung in Folge des Zweiten Weltkrieges dargestellt werden können und wie ein historisch angemessener, gesellschaftlich akzeptabler Konsens zwischen verschiedenen Narrativen gefunden werden kann.

Bitte senden Sie Ihr Abstract (max. 2.000 Zeichen) an
Natalie Reinsch: natalie.reinsch@mvnb.de
Einsendeschluss: 31. Mai 2022

Insbesondere Nachwuchswissenschaftler:innen sind herzlich eingeladen, sich mit einem Beitrag zu beteiligen. Die Vorträge sind für 30 Minuten mit jeweils anschließender Diskussion (15 Minuten) geplant. Jedes Panel wird mit einer zusätzlichen Diskussionsrunde zum Panel-Thema abgeschlossen. Die Tagungssprache ist deutsch, einzelne Vorträge können bei Bedarf auf Englisch gehalten werden. Die Beiträge werden in einem Tagungsband publiziert. Um die zeitnahe Veröffentlichung bis Ende 2022 zu gewährleisten, ist der Abgabetermin für die Manuskripte verbindlich bis zum 14.10.2022 festgelegt.

Der Call for Papers auf deutsch zum Download (pdf)

Der Call for Papers auf englisch zum Download (pdf)

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