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Aktuelles

09.04.2018

Medien-Information 4-2018

Wem gehört das Museum? Museum und Freizeitgesellschaft Der Museumsverband Niedersachsen und Bremen e.V. diskutierte mit über 150 Vertreterinnen und Vertretern der Museumslandschaft sowie Fachleuten aus unterschiedlichen Freizeiteinrichtungen auf seiner Jahrestagung in Einbeck über die Rolle der Museen in der zukünftigen Freizeitgesellschaft.


Einbeck, 6. April 2018. Die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung werden immer vielfältiger und erlebnisorientierter. Aber welche Beschäftigungen sind es, die unsere nahe Zukunft dominieren werden? Und wie kann es den Museen gelingen, sich in dem Konkurrenzkampf um die freie Zeit der Menschen zu behaupten? Welche Chancen ergeben sich aus dem sich wandelnden Freizeitverhalten? Mit diesen und weiteren Fragen setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen Jahrestagung des Museumsverbandes Niedersachsen und Bremen e.V. am heutigen Freitag auseinander. Erstmalig nutzten auch viele Nicht-Mitglieder, die durch eine besondere Aktion des Museumsverbandes auf die Jahrestagung angesprochen wurden die Möglichkeit zur Teilnahme und zur Information über die zahlreichen Vorteile der Verbandsarbeit für seine Mitglieder.

Nach der Begrüßung durch die Bürgermeisterin der Stadt Einbeck, Dr. Sabine Michalek, eröffnete Dr. Annette Schwandner, Ministerialdirigentin im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Tagung. Auf die Frage, wem das Museum gehöre, antwortete sie: „Museen sind unsere 'Schatzhäuser', sie gehören – jenseits der unterschiedlichen privaten oder öffentlichen Eigentumsverhältnisse – uns allen, mit anderen Worten: den Bürgerinnen und Bürgern. Museen sind spannende Freizeit- und Erlebnisorte, zugleich Orte der Bildung, der Identitätsstiftung. Im Kontext des gesellschaftlichen und technologischen Wandels verändern sich die Ansprüche ihrer Besucherinnen und Besucher zunehmend schneller, sodass Museen vor der Herausforderung stehen, die Umsetzung ihrer Aufgaben: Sammeln, Bewahren, Erforschen und Präsentieren, kontinuierlich weiterzuentwickeln.“

Prof. Dr. Harald Welzer gestaltete den Einstieg in das erste Panel mit seinem Impulsvortrag „Freizeit ist nicht Konsum“. Darin erörterte der Professor für Soziologie, inwieweit sich Museen zu Orten der Freizeitgestaltung entwickeln können und welche Angebote geschaffen werden müssen, um für die Touristen attraktiv zu bleiben. Diese Fragen wurden auch in der anschließenden Podiumsdiskussion aufgegriffen.

„Aktuelle Studien belegen, der Aufwärtstrend im Deutschlandtourismus bei den Übernachtungen aus dem In- und Ausland hält weiter an. 2017 wurden allein in Niedersachsen 43,5 Mio. Übernachtungen verzeichnet, 1,7 % mehr als im Vorjahr. Der Tourismus ist ein enormer Wirtschaftsfaktor, denn drei Viertel aller Tourismus-Ausgaben bleiben in Deutschland. Die Museen haben sich in den letzten Jahrzehnten zu einer nicht zu übersehenden Größe im deutschen Städtetourismus entwickelt. Diesen Trend möchten wir weiter nutzen. Daher gilt es stetig im Blick zu behalten, wie die digitale Welt das Freizeitverhalten der Menschen beeinflusst und welche Auswirkungen dies auf das Besuchsverhalten in den Museen haben wird. Hierfür wollten wir mit unserem diesjährigen Tagungsthema sensibilisieren“, sagt Prof. Dr. Rolf Wiese, Vorsitzender des Museumsverbandes.

Die Diskussionsrunde am Nachmittag rückte die Frage, wie breitere Kreise der Bevölkerung durch Mitwirkung an der Museumsarbeit für eine längerfristige Teilhabe gewonnen werden können, in den Vordergrund. Einleitend berichtete Dr. Angela Jannelli in Ihrem Vortrag „Museum und Teilhabe“ am Beispiel des Historischen Museum Frankfurt von den Herausforderungen, die sich aus der Neukonzeption eines Museums ergeben. An welche Zielgruppe richtet sich ein Museum? Über welches Zeitbudget verfügen die Besucher und auf welchem Wissenstand sind sie? Wie können die unterschiedlichen kulturellen, religiösen, generationellen und familiären Hintergründe bestmöglich berücksichtigt werden?

Die anschließende Podiumsdiskussion vertiefte diese Fragestellungen und gab Anregungen aus verschiedenen Perspektiven, welche Strategien die Museen haben, um neue Publikumskreise zu erschließen und in welchen Bereichen der klassischen Museumsaufgaben eine Partizipation überhaupt möglich und sinnvoll ist.

„Mit diesen Fragen haben wir an unsere letzte Jahrestagung in Cuxhaven angeknüpft. Wir wollten vor allem mit den Teilnehmern darüber diskutieren, ob es Unterschiede in der Arbeit von kleinen und großen Museen oder zwischen Einrichtungen in der Stadt und auf dem Land gibt. Daher war es uns ganz wichtig, auch die kleinen Museen zu Wort kommen zu lassen, die mit Vertretern aus rund 50 Einrichtungen zahlreich an der Veranstaltung teilnahmen. Ihre Erfahrungen haben wir mit denen der größeren Häuser gegenüberzustellen können. Die unterschiedlichen Hintergründe und Erfahrungen der Museen belebten die Diskussionen und regten zu einem gewinnbringenden Austausch an“, bilanziert Hans Lochmann, Leiter der Geschäftsstelle des Museumsverbandes.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch die Vorstellung des Niedersächsischen Museumspreises 2018 sowie den Auslobungen des VGH-Förderpreises 2018 und des Museumsgütesiegels 2019. Danach tagte die Mitgliederversammlung des Museumsverbandes, in der u.a. die regulären Vorstandswahlen anstanden. Dem zukünftigen Vorstand gehören an:

Prof. Dr. Rolf Wiese (Vorsitzender), Dr. Frauke von der Haar, Focke-Museum Bremen (1. stellvertretende Vorsitzende), Dr. Heike Pöppelmann, Braunschweigisches Landesmuseum (2. stellvertretende Vorsitzende), Dr. Eilert Ommen (Kassenführer), Dr. Michael Haverkamp, Emsland Moormuseum (Schriftführer), Dr. Elke Heege, StadtMuseum Einbeck (Beisitzerin), Dr. Stephan Huck, Deutsches Marinemuseum Wilhelmshaven (Beisitzer) sowie Burghardt Sonnenburg, Heimatmuseum Leer (Beisitzer).

Im kommenden Jahr lädt der Verband die Museen aus Niedersachsen und Bremen am 21. und 22. März 2019 zur Jahrestagung nach Celle ein.

Die Pressemitteilung als Download.


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